Helden & Urweiber No. 11

Co-Kreation: Wenn Held und Urweib sich wirklich begegnen
Wenn wir das Patriarchat einfach nur durch ein Matriarchat ersetzen wollten,
dann hätten wir gemeinsam ein zweites Mal versagt.
Dann hätten wir nichts verstanden.
Dann tauschen wir nur den Chef aus,
aber nicht das verdammte Spiel.
Das Patriarchat hat Frauen zu Frauchen gemacht
und Männer kastriert.
Nicht zu Königinnen.
Nicht zu Königen.
Zu Funktionierenden.
Zu Angepassten.
Zu Menschen, die Rollen spielen,
aber sich selbst nicht mehr kennen.
Institutionen.
Staat.
Religion.
Gesellschaft.
Seit Jahrhunderten wurde uns erzählt,
was ein Mann zu sein hat.
Was eine Frau zu sein hat.
Wie Liebe aussieht.
Wie Partnerschaft funktioniert.
Wer oben liegt.
Wer unten bleibt.
Und seien wir ehrlich:
Die meisten von uns haben keine Ahnung,
was echte Männlichkeit ist.
Was echte Weiblichkeit ist.
Was echte Polarität ist.
Was echte Dualität ist.
Wir haben es nie gelernt.
Wir haben nur Muster geerbt.
Bullshit in Familienformat.
Für mich ist echte Polarität ein Spiel.
Ein Spiel der Kräfte.
Ein Spiel der Pole.
Als Kind hatte ich zwei kleine Magnete.
Ich konnte mich stundenlang damit beschäftigen.
Dieses Phänomen,
wenn Plus und Minus aufeinandertreffen
und plötzlich — zack — Vereinigung.
Aber noch faszinierender war der Moment davor.
Das Spiel.
Wie sich zwei gleich starke Pole annähern.
Wie sie sich anziehen.
Wie sie sich abstoßen.
Wie einer bleibt
und der andere tanzt.
Diese Elastizität.
Dieses:
Jetzt vielleicht.
Jetzt noch nicht.
Jetzt fast.
Jetzt — zack.
Vereinigung.
Nicht Unterwerfung.
Nicht Dominanz.
Spannung.
Das ist Polarität.
Nicht wenn zwei Menschen sich gleich machen.
Sondern wenn zwei ganze Pole sich begegnen.
Genau deshalb mag ich das Wort Beziehung nicht.
Da zupft jemand.
Da will jemand etwas.
Da ist Bedürftigkeit.
Für mich ist das schönere Wort:
Co-Kreation.
Zwei ganze Menschen,
die sich bewusst entscheiden,
gemeinsam etwas zu erschaffen.
Nicht weil sie sich brauchen.
Sondern weil sie es wollen.
Nicht aus Angst.
Nicht aus Mangel.
Nicht aus Versorgung.
Das ist keine Beziehung.
Das ist bewusste Polarität.
Das ist Königin und Samurai.
Das ist Held und Urweib.
Und genau dort scheitern die meisten.
Nicht an Liebe.
An Erwartungen.
Noch schlimmer:
An geglaubten Erwartungen.
Dieser subtile Bullshit:
„Wenn ich jetzt so und so bin,
dann wird sie mich lieben.“
„Wenn ich das tue,
wird er endlich sehen, was ich wert bin.“
Beziehungstechnische Steinzeit.
Der Mann wird zum Nice Guy.
Die Frau zur stillen Buchhalterin.
Beide spielen Theater.
Keiner sagt die Wahrheit.
Und dann kommt sie:
Die Enttäuschung.
Wobei das Wort wunderschön ehrlich ist.
Ent-Täuschung.
Niemand hat dich enttäuscht.
Deine eigene Täuschung ist nur gestorben.
Herzlichen Glückwunsch.
Echte Co-Kreation beginnt dort,
wo zwei Menschen aufhören,
einander umzubauen.
Wie viele Paare doktern elendiglich
aneinander herum.
Hier noch ein bisschen verbessern.
Dort noch etwas optimieren.
Als wäre Liebe ein IKEA-Regal
mit fehlender Schraube.
Bullshit.
Nimm den anderen, wie er ist.
Und lass ihn, wie er ist.
Wenn Grenzen überschritten werden:
klar formulieren.
Wenn etwas nicht passt:
ansprechen.
Wenn jemand nicht lernen will:
gehen.
Und ja —
manchmal ist Trennung
die höchste Form von Liebe.
Nicht Drama.
Nicht Bestrafung.
Klarheit.
Auch das ist Polarität.
Und jetzt reden wir über Sex.
Natürlich.
Denn dort wird Wahrheit brutal sichtbar.
Im Bett gelingt uns oft spielerisch das,
was wir im Alltag komplett verkacken.
Dort experimentieren wir.
Dort kommunizieren wir.
Dort spüren wir Grenzen.
Dort verstehen wir Ja und Nein.
Dort ist plötzlich alles möglich:
Führen.
Loslassen.
Hingabe.
Vertrauen.
Spiel.
Eine Hand, die Halt zeigt,
ist oft klarer als tausend Worte.
Ein Blick.
Ein Lachen.
Ein ausgestöhntes
„Ohhhh… fuck.“
Kommunikation.
Nicht Technik.
Nicht Performance.
Präsenz.
Und dort darf alles sein,
was für beide wahr ist.
Heute führe ich.
Morgen führst du.
Heute halte ich still
und genieße.
Morgen halte ich dich.
Einmal der Gigl.
Einmal der Gogl.
Ein Spiel.
Ein lustvolles.
Ein ehrliches.
Ein lebendiges.
Und das Absurde?
Beim Sex sind Mann und Frau oft sofort
ein gemeinsames Forscherteam.
Aber wenn es um Alltag, Geld, Beruf, Kinder
und Freiheit geht,
kommen plötzlich die Muster
aus dem Mittelalter.
Ironie pur.
Echte Polarität ist Vertrauen.
Wenn du deine Weiberroas machst,
sage ich:
„Viel Spaß.
Und vergiss die rosarote Brille
nicht für den Morgen danach.“
Wenn ich mit meinen Jungs
auf Segeltörn gehe,
will ich nur hören:
„Mast- und Schottbruch.“
Das ist Liebe.
Nicht Kontrolle.
Nicht Besitz.
Vertrauen.
Urvertrauen.
Den anderen lassen.
Nicht festhalten.
Nicht überwachen.
Nicht verwalten.
Lassen.
Und genau dafür braucht es Mut.
Es braucht mutige Männer.
Und mutige Frauen.
Pioniere.
Menschen, die bereit sind,
sich die Nase blutig zu schlagen.
Zu scheitern.
Zu klären.
Zu korrigieren.
Ready to fail.
Wieder und wieder.
Nicht müde werden.
Nicht aufgeben.
Sich einlassen auf dieses Spiel.
Denn in Wahrheit geht es immer zuerst um mich.
Um mich als Mann.
Um mich als Frau.
Und erst dann um uns.
Unabhängig.
Frei.
Gemeinsam.
Co-Kreation.
Vielleicht werden erst Menschen
in vielen, vielen Jahren sagen können:
„Ahhhh…
jetzt habe ich langsam eine Ahnung,
was es wirklich bedeutet,
Mann zu sein.“
„Jetzt verstehe ich langsam,
was es heißt ein Weib zu sein.“
Ein Mann mit echter, anwesender Männlichkeit.
Eine Frau mit echter, anwesender Weiblichkeit.
Ein Held.
Ein Urweib.
Bis dahin?
Forschen wir.
Scheitern wir.
Lieben wir.
Lernen wir.
Und vor allem:
Ich lade dich ein, mutig zu sein
und dass wir uns gemeinsam entscheiden,
es einfach zu TUN.
Denn Mut braucht manchmal
nur ein Wort
mit drei Buchstaben:
TUN.