Helden & Urweiber No. 10

Blog Helden & Urweiber No. 10 - Weibliche Statue die dem Wind trotzt am Strand

Die Angst vor Frauen und die Abwesenheit von Weiblichkeit

Ich erkenne ein echtes Weib nicht an einem Kleid.

Sonst wäre jede Schaufensterpuppe eine Göttin.

Nicht an langen Haaren.
Nicht an Brüsten.
Nicht an High Heels.
Nicht daran, ob sie kocht, putzt oder ihre Beine elegant übereinanderschlägt.

Ein echtes Weib erkennst du an etwas anderem:

An Präsenz.

An dieser stillen, fast unverschämten Selbstverständlichkeit, mit der sie einen Raum betritt, ohne ihn erobern zu müssen.

Sie muss nicht herrschen.
Sie regiert.

Sie muss nicht laut sein.
Sie ist.

Und genau davor haben so viele Angst.

Nicht vor Frauen.
Vor weiblicher Kraft.

Vor einer Frau, die nicht brav ist.
Die nicht angepasst ist.
Die nicht klein bleibt.
Die fühlt.
Die fordert.
Die klar ist.
Die nicht kontrollierbar ist.

Sobald eine Frau nicht mehr nur funktioniert,
wird sie schnell schwierig genannt.

Zu emotional.
Zu laut.
Zu sexuell.
Zu unabhängig.
Zu kompliziert.
Zu viel.

Die moderne Version von:

die böse Frau.


Aber seien wir ehrlich:

Es gibt destruktive Frauen.

Natürlich.

Die Quotenfrau, die über Unsicherheit Macht ausübt.
Die Kampfamazone, die Männer nicht prüft, sondern bekämpft.
Die emotionale Erpresserin, die mit Sex, Schuld oder Versorgung handelt.
Die Frau, die zuhause kein Feld hält, sondern ein Regiment führt.

Ja — die gibt es.

Frauen, die dich anlächeln
und dir dabei ein Messer in den Rücken rammen.

Nicht mit der Faust.
Mit Blicken.
Mit Ausschluss.
Mit sozialem Gift.
Mit subtiler Kontrolle.

Auch das ist Macht.

Aber das ist nicht Weiblichkeit.

Das ist Angst.
Kontrolle.
Überleben.
Verletzung.
Co-Abhängigkeit.

Eine manipulative Frau ist nicht Ausdruck gesunder Weiblichkeit.
Genauso wenig wie ein gewalttätiger Mann Ausdruck gesunder Männlichkeit ist.

Das Problem ist nicht Weiblichkeit.

Das Problem ist ihre Abwesenheit.


Und genau da beginnt das Drama unserer Zeit.

Wir reden über starke Frauen, Emanzipation, Gleichberechtigung, Feminismus.

Und versteh mich richtig:

Gott sei Dank.

Danke an jede Frau, die dafür gekämpft hat.
Danke an die Suffragetten.
Danke an jede, die sich nicht mehr hat klein halten lassen.

Aber irgendwo auf dem Weg ist etwas passiert:

Viele Frauen wurden frei —
aber nicht weiblich.

Sie wurden funktional.

Sie bringen Geld nach Hause.
Sie organisieren.
Sie kontrollieren.
Sie funktionieren.
Sie stehen ihren Mann.

Und genau da liegt schon der verdammte Satz:

Sie stehen ihren Mann.

Ja — manchmal muss das sein.

Natürlich darf eine Frau Beute nach Hause bringen.
Natürlich darf sie führen.
Natürlich darf sie Entscheidungen treffen.
Natürlich darf sie Grenzen setzen.
Natürlich darf sie am Freitag mit der Horde kegeln gehen.

Darum geht es nicht.

Es geht nicht darum, Frauen zurück in die Küche zu schicken.
Und auch nicht darum, sie brav auf den Rücken zu legen und zu hoffen, dass er bald fertig wird.

Es geht darum:

Kann sie all das tun — und trotzdem Weib bleiben?

Oder ist sie innerlich längst im Überlebensmodus?

Hart.
Kontrolliert.
Immer wachsam.
Immer verantwortlich.
Immer die, die alles zusammenhält.

Nicht weil sie will.

Weil sie muss.


Weil irgendwo das gesunde Männliche fehlt.

Wenn kein Mann da ist, der wirklich steht,
muss die Frau stehen bleiben.

Wenn keiner führt,
wird Kontrolle zur Überlebensstrategie.

Wenn keiner Sicherheit gibt,
wird Misstrauen vernünftig.

Wenn Liebe unsicher wirkt,
wird Härte plötzlich logisch.

Und genau dort beginnt die Abwesenheit des Weiblichen.

Nicht in der Hose.

Verdammt nochmal — nicht in der Hose.

Beate kann Jeans tragen und trotzdem ein Weib sein.
Constanze kann ein Hemd tragen und weiblicher wirken als manche Frau im Sommerkleid.
Jenny kann in Leggings göttlich sein.

Weiblichkeit ist keine Garderobe.

Es ist Energie.

Es ist das, was du spürst, bevor dein Kopf irgendeine Theorie dazu formuliert.


Ich hatte vor kurzem genau so einen Moment.

Eine Frau auf Facebook.
Kluge Texte über Männer.
Männlichkeit.
Workshop für Männer.

Alles richtig auf Papier.

Und ich schaue in ihr Gesicht —
und mir läuft es eiskalt den Rücken runter.

Mein erster Gedanke:

Du sicher nicht.

Ungerecht?
Vielleicht.

Aber ehrlich.

Weil Energie nicht lügt.

Der Text kann brillant sein.
Die Theorie perfekt.
Die Begriffe sauber gelernt.

Aber wenn darunter Kontrolle, Belehrung, Bedürftigkeit oder Opferhaltung schwingen,
dann merkt man das.

Nicht rational.

Sofort.

Der Körper weiß es vor dem Kopf.

Und genau deshalb stieg vor ein paar Tagen in Baden eine Frau mit mir in die Schnellbahn.

Jeans.
Nichts Spektakuläres.

Und ich dachte nur:

Wow.

Da ist etwas.

Nicht wegen der Haare.
Nicht wegen der Figur.
Nicht wegen irgendeiner Pose.

Wegen ihr.

Weil sie da war.

Ganz.

Das ist Weiblichkeit.

Nicht Performance.
Nicht „Ich brauche keinen Mann.“
Nicht besserwisserisches Erklären, wie Männer endlich richtig Mann sein sollen.

Sondern:

Ich brauche mich.
Und genau deshalb kann ich dir auf Augenhöhe begegnen.

Das ist die Anwesenheit von Weiblichkeit.
Das ist Urweib.


Und jetzt wird’s unbequem.

Was ist das Gegenteil von Liebe?

Nicht Hass.

Angst.

Und genau deshalb ist das echte Weib Liebe.

Nicht Nettigkeit.
Nicht brave Zustimmung.
Nicht emotionale Buchhaltung.

Liebe.

Wild.
Klar.
Weich.
Unbestechlich.

Ein Urweib ist nicht ungefährlich.

Es ist lebendig.

Es kontrolliert nicht.
Es vertraut.

Es testet nicht ständig.
Es beobachtet.

Es manipuliert nicht.
Es entscheidet.

Es fragt nicht panisch:

„Bleibst du eh bei mir?“

Es sagt:

Ich bleibe bei mir.
Und wenn du kannst, geh ein Stück mit.

Das ist Stärke.

Nicht dieses moderne Instagram-Göttinnen-Geschwurbel
mit Räucherstäbchen und Bindungsangst im Spitzenbody.

Sondern echte innere Sicherheit.


Und ja — natürlich haben Frauen Angst.

Zu Recht.

Über Generationen wurde Weiblichkeit mit Abhängigkeit bezahlt.

Wirtschaftlich.
Körperlich.
Emotional.

Sei brav.
Sei lieb.
Sei vorsichtig.
Mach keinen Ärger.
Sei begehrenswert, aber bitte nicht zu sehr.
Sei unabhängig, aber nicht unbequem.

Das ist keine Weiblichkeit.

Das ist dressierte Funktion.

Und dann wundern wir uns über Kontrolle.

Natürlich kontrolliert, wer Angst hat.

Natürlich testet, wer nicht vertraut.

Natürlich klammert, wer sich selbst nicht halten kann.

Dann wird Beziehung zur Versicherungspolizze.
Sex zur Bestätigung.
Liebe zur Verhandlung.

Romantischer Bullshit mit Bonusprogramm.


Und genau hier stehen heute viele Frauen.

Die bewussten, hochsensiblen, spirituellen Frauen — oft Single.

Oder in Lernbeziehungen.
Oder sexuell frei, aber innerlich immer noch auf Alarm.

Aber entspannen?
Empfangen?
Sich wirklich halten lassen?
Sich wirklich nehmen lassen?

Schwierig.

Und auf der anderen Seite:

Die braven Frauchen.

Co-abhängig.
Angepasst.
Pflichtsex.
Kochlöffel.
Staubsauger.
„Man muss ja.“

Zwei Extreme.

Gleiche Wunde.

Die eine kontrolliert alles.
Die andere erträgt alles.

Beide weit weg vom Urweib.


Denn das Urweib will nicht angepasst sein.

Es will echt sein.

Es will lachen.
Es will Lust.
Es will Tiefe.
Es will Sex, der mehr ist als Pflichtprogramm.

Es will nicht nur begehrt werden.

Es will selbst begehren.

Es will nicht nur empfangen.

Es will wählen.

Es will genommen werden — bewusst.
Klar.
Präsent.

Und genauso will es sich freiwillig niederknien.

Nicht aus Angst.
Nicht aus Pflicht.
Nicht weil „man das halt macht“.

Sondern aus Lust.

Aus Spiel.

Aus Hingabe.

Aus Freiheit.

Ich knie nicht aus Angst.
Ich knie nur aus Lust.

Das ist Urweib.

Nicht das brave Hausweibchen,
das aus Pflicht die Beine breit macht
und hofft, dass er diesmal schneller fertig wird.

Sondern Lilith.

Präsenz.
Erotik.
Wahrheit.
Freiheit.


Vielleicht ist genau jetzt die Zeit,
deine innere Lilith wieder aus dem Keller zu holen.

Nicht als Rebellion gegen Männer.
Nicht als Trotz gegen das Patriarchat.
Nicht als neues Machtspiel.

Sondern als Heimkehr.

Zurück zu dir.

Zu deiner Liebe.
Zu deiner Weichheit.
Zu deiner Klarheit.
Zu deinem Nein.
Zu deinem Ja.
Zu deiner Lust.
Zu deiner Würde.

Zur Weiblichkeit, die nie weg war —
nur gut versteckt.

Also hör auf, nur deinen Mann zu stehen.

Steh als Frau.

Als Königin.

Als Lilith.

Und entdecke, was passiert,
wenn du nicht mehr funktionieren musst —
sondern einfach bist.

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