Helden & Urweiber No. 9

Blog Helden & Urweiber No. 9 - Leuchtturm auf kleiner Insel mitten im Meer

Die Angst vor Männern – und die Abwesenheit von Männlichkeit

Ich sage jetzt etwas, das nicht jedem gefallen wird.
Und das ist gut so.

Wir haben kein Männerproblem.
Wir haben ein Problem mit der Abwesenheit von Männlichkeit.

Nicht mit gesunder Männlichkeit.
Nicht mit einem Mann, der steht.
Nicht mit einem Mann, der führt.
Nicht mit einem Mann, der schützt, hält, entscheidet, Verantwortung übernimmt und im richtigen Moment auch verdammt nochmal auf den Tisch haut.

Nein.

Wir haben ein Problem mit Männern, die vergessen haben, wie das geht.
Und mit Frauen, die gleichzeitig genau das vermissen und genau davor Angst haben.

Willkommen im modernen Beziehungszirkus.


Da draußen wird ständig auf das böse Patriarchat geschimpft.
Auf Männer.
Auf männliche Energie.
Auf Führung.
Auf Stärke.
Auf Dominanz.

Und ja – toxische Macht, Missbrauch, Gewalt, Übergriffigkeit – all das existiert.
Aber weißt du was?

Das ist nicht Männlichkeit.
Das ist Pathologie.

Ein gesunder Mann muss keine Frau klein machen.
Er will, dass sie aufblüht.

Gesunde Männlichkeit trägt das Weibliche auf Händen.
Sie sorgt.
Sie schützt.
Sie gibt Raum.
Sie schafft Sicherheit, damit Weiblichkeit weich werden darf.

Ein echter Mann will keine unterdrückte Frau.
Er will eine lebendige.

Du erkennst sie nicht einmal.

Weil du nur noch auf Gefahr programmiert bist.


Und jetzt wird’s unbequem.

Viele Männer wurden nicht zu Männern erzogen.
Sie wurden zu Mamaburlis erzogen.

Zu braven Ja-Sagern.
Zu emotionalen Butlern.
Zu Co-Abhängigkeitsjunkies mit Dauerlächeln.

„Sei lieb.“
„Sei brav.“
„Mach keinen Ärger.“
„Wenn du gefällst, wirst du geliebt.“

Und so schleichen sich erwachsene Männer heute noch unter der verdammten Türmatte ins eigene Zuhause.
Leise.
Angepasst.
Bloß nicht stören.
Bloß keinen Konflikt.
Bloß niemanden enttäuschen.

Das ist nicht Liebe.
Das ist Bedürftigkeit in schöner Verpackung.

Das ist kein Mann.
Das ist ein Junge mit Bart.

Und ja – ich kenne das.
Ich war selbst lange genug dieser verdammte Nice Guy.

Treu.
Fürsorglich.
Unsichtbar.
Erwartungserfüllend.

Immer in der Hoffnung:

Wenn ich genug gebe, werde ich geliebt.

Bullshit.

Du wirst benutzt.
Oder bemitleidet.
Oder bestenfalls freundlich verwaltet.

Aber nicht begehrt.


Frauen sagen oft:

„Ich will einen starken Mann.“

Und energetisch ziehen sich oft Muster an, die sich gegenseitig regulieren wollen:

Nein.
Viele wollen einen Tiger.
Aber wehe, er brüllt.

Im Bett?
Ja bitte.
Wild.
Präsent.
Männlich.
Nimm mich.

Im Alltag?

„Bitte nicht so dominant.“
„Du bist gerade aggressiv.“
„Warum musst du immer so klar sein?“

Entschuldigung – was denn jetzt?

Männlichkeit ist keine Mietwohnung.
Du kannst nicht nur das Schlafzimmer buchen und den Rest kündigen.

Ein Mann, der dich wirklich nehmen kann,
hat auch Kraft.
Grenzen.
Wut.
Entscheidungskraft.
Präsenz.

Nicht Gewalt.
Nicht Übergriff.
Das ist ein Unterschied, und zwar ein verdammt großer.

Gesunde Wut ist klar.
Gesunde Präsenz ist sexy.
Gesunde Kraft macht nicht Angst – sie macht sicher.

Das gesunde Weib hat davor keine Angst.
Es atmet auf.


Und ja, reden wir über Sex.
Ehrlich.

Sex ist einer der brutal ehrlichsten Spiegel für Männlichkeit.

Nicht Pornografie.
Nicht Alpha-Gehabe.
Nicht dieses lächerliche Dominanz-Theater.

Sondern Präsenz.

Ein Mann ist da.
Ganz.

Er nimmt dich.
Bewusst.
Klar.
Mit Führung.
Mit Hingabe.
Mit Lust.
Mit Verantwortung.

Und dann?
Dann legt er sich auch mal auf den Rücken und lässt sich nehmen.

Ja.
Einmal der Gigl, einmal der Gogl.

Einmal vögle ich dich.
Einmal vögelst du mich.

Einmal nehme ich.
Einmal empfange ich.

Einmal lecke ich dich,
weil Hingabe keine Unterwerfung ist, sondern Intelligenz.

Sex in Anwesenheit beider Pole ist Magie.
Spiel.
Liebe in verkörperter Form.

Nicht Machtkampf.
Nicht Performance.
Nicht Pflichtprogramm.

Ein Spiel.
Ein lustvolles, ehrliches, lebendiges Spiel.

Und genau dort scheitern viele –
weil sie nie gelernt haben, präsent zu sein.


Mein Vater?

War oft unsichtbar.

Kein schlechter Mensch.
Aber kein Mann, an dem ich mich reiben konnte.

Er brachte Geld nach Hause.
Er konnte fürsorglich sein.
Er kochte gern – seine Art, Liebe zu geben.

Aber ich durfte nicht in die Küche.
Sperrzone.

Er zeigte mir nicht, wie man den Hammer schwingt.
Wie man ein Zuhause baut.
Wie man als Mann steht.

Wie auch?
Sein eigener Vater war durch den Krieg und seinen Beruf auch immer wieder weg.

Und so geht das seit Generationen.

Nicht erst seit gestern.
Nicht nur wegen Feminismus.
Nicht nur wegen Frauen.

Das ist ein gesellschaftliches Erbe.

Abwesende Väter.
Büros statt Werkstätten.
Funktionieren statt Initiation.

Und irgendwann stehen da Männer,
die weder wissen, wie man führt,
noch wie man liebt.


Und jetzt die gute Nachricht:

Das ist heilbar.

Aber nicht durch noch mehr Anpassung.

Nicht durch weichgespültes Männercoaching mit Räucherstäbchen und Kuscheldecke.

Sondern durch Reibung.
Durch andere Männer.
Durch Gemeinschaft.
Durch ehrliches Feedback.
Durch Scheitern.
Durch Hinfallen.
Durch verdammtes Leben.

Ein Mann wird nicht durch Theorie zum Mann.

Sondern durch Erfahrung.
Durch Verantwortung.
Durch Konsequenz.
Durch das Risiko, auch mal falsch zu liegen.

Und ja – auch durch echte Frauen.
Durch Urweiber, die nicht seine Mutter spielen,
sondern ihm klar sagen:

So nicht, mein Freund.

Nicht kontrollierend.
Nicht manipulativ.
Sondern wahr.


Wir müssen die Mamaburlis aus dem vermeintlichen Paradies vertreiben.

Nicht bestrafen.
Nicht beschämen.

Erwecken.

Stählen.

Gerade richten.

Denn die Welt braucht keine weich verpackten Weicheier mit WLAN-Zugang und Bindungsangst.

Sie braucht Männer.

Nicht Patriarchen.
Nicht Tyrannen.
Nicht Alphatheater.

Männer.

Helden.

Mit Herz.
Mit Haltung.
Mit Feuer.
Mit Rückgrat.

Und Frauen,
die davor nicht weglaufen.

Sondern sagen:

Ja.
Genau dich meinte ich.

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