Helden & Urweiber No. 7

Blog Helden & Urweiber no. 7 - Tisch mit zwei Stühlen in Griechenland

Ich brauche keine Frau. Ich bin bereit für eine.

Wir haben uns auf Tinder gematcht.
Kein Drama, kein Feuerwerk, aber ein ehrliches, angenehmes Gespräch.
Sie war sympathisch, klug, klar.
Also habe ich mich gezeigt.
So wie ich bin.
Nicht als Held, nicht als Macher, nicht als „ich erfülle dir jeden Wunsch“-Mann – sondern als Walter:

Ich. Echt. Direkt. Ungeschönt.

Ich habe gesagt, wie ich mir Beziehung vorstelle.
Wobei ich das Wort „Beziehung“ gar nicht mag – zu eng, zu viel Erwartung, zu wenig Freiheit.
Ich habe gesagt, was ich mir unter einer Verbindung auf Augenhöhe vorstelle.
Ich habe gesagt, dass ich keine Frau brauche, aber für eine Frau bereit bin.

Und irgendwann schreibt sie mir:

„Wenn du nicht bereit bist, dass ich die Verantwortung für dich übernehme und mich um dich kümmere, bist du der Falsche für mich.“

Stille.
Ich lese den Satz zweimal.
Dreimal.

Und plötzlich wird alles klar wie Bergluft:
Ja. Da bin ich der Falsche.

Aber nicht, weil ich feige bin.
Nicht, weil ich Angst davor hätte, mich zu zeigen.
Sondern weil ich – verdammt nochmal – endlich verstanden habe, was ich nicht mehr spiele:

➡ Nicht ihr Papi.
➡ Nicht ihr Heiler.
➡ Nicht ihr Kümmerer.
➡ Nicht ihr Lebensversicherungsprogramm.
➡ Nicht ihr Chauffeur, Tröster und Projektmanager in einer Person.

Denn wenn sie die Verantwortung für mich übernimmt –
was zur Hölle wäre dann meine Rolle?

Soll ich mich dann tragen lassen?
Emotionale Abhängigkeit als romantisches Angebot?
Soll sie mich „halten“, während ich mich klein mache, damit sie groß sein kann?

Nein.
Danke.
Ich hab das durchgespielt.
Level geschafft.
Weiter.

Die Falle heißt Erwartung – und ihre Schwester heißt Selbsttäuschung

Was dahintersteckt, ist in Wahrheit eine ganz alte Nummer:
Erwartungen.
Noch schlimmer: unausgesprochene Erwartungen.

Diese Sorte, wo die Frau sich denkt:
„Wenn ich das für ihn tue, dann erwarte ich – also eigentlich: erwarte ich heimlich – dass er…“
Und der Mann denkt:
„Wenn ich mich so verhalte, dann erwartet sie bestimmt von mir, dass ich…“

Und niemand sagt es.
Niemand.

Bis es kracht.
Ent-täuschung.
Nicht, weil der andere schlecht ist –
sondern weil ich mich selbst getäuscht habe.

Ich habe etwas erwartet, das nie vereinbart wurde.
Das nie ausgesprochen wurde.
Das nie beidseitig gültig war.

Die Falle heißt Erwartung – und ihre Schwester heißt Selbsttäuschung

Es gibt Frauen, die übernehmen Verantwortung,
nicht weil sie stark sind,
sondern weil sie Angst haben.

Angst, dass sonst niemand Verantwortung übernimmt.

Angst, dass sie wieder verletzt werden.
Angst, dass sie wieder enttäuscht werden.
Angst, dass sie alleine sind, wenn sie sich nicht um alles kümmern.

Es ist Kontrolle im Kleid der Fürsorge.
Es ist Macht im Mantel der Liebe.
Es ist Angst, die sich als Stärke ausgibt.

Und umgekehrt?
Natürlich.
Männer, die Frauen retten wollen.
Retterkomplex, Helfersyndrom, Ritterromantik – alles dabei.

Auch dort ist es Angst:

➡ Angst, nicht gebraucht zu werden.
➡ Angst, nicht wichtig zu sein.
➡ Angst, nicht genug zu sein.

Am Ende ist es Bullshit.
Beidseitig.

Die Wahrheit ist brutal einfach

Sei du – du.
Lass mich – mich sein.

Wenn du etwas tust, das bei mir etwas berührt,
sage ich es dir.
Klar, direkt, in Ich-Botschaften.
Ohne Drama, ohne Schuldzuweisung.

Und ich biete dir das Gleiche an.
Wir sprechen – oder wir bleiben.
Wir schweigen – oder wir gehen.
Aber wir manipulieren nicht.

Ich bin wie ich bin.
Du bist wie du bist.
Und dort, wo wir uns treffen,
gibt es weder Retter noch Opfer,
weder Mutter noch Bub,
weder Papi noch Dirndl,
weder Verantwortungsknebel noch Abhängigkeitsschnüre.

Dort gibt es nur zwei Erwachsene,
die sich anschauen und sagen:

„Ich brauche dich nicht.
Aber ich bin bereit für dich.“

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