Mei Lem & meine Gschichtln No. 1

Portrait und Großaufnahme der Augen von Walter Rizek

Wo ich herkomme, wo ich stehe

Es gibt einen Gedanken, der mich seit vielen Jahren begleitet:

Wir sind keine menschlichen Wesen, die hin und wieder spirituelle Erfahrungen machen.
Wir sind spirituelle Wesen, die bewusst in eine menschliche Erfahrung eintauchen –
mit all ihren Aufgaben, Chancen und Schatten.
Und manchmal eben mit einem ziemlich gut gefüllten Rucksack.

Ich habe mir für dieses Leben einiges mitgenommen.
Alte Themen. Karmische Linien. Seelenaufgaben, die nicht zufällig genau jetzt aufbrechen.
Denn wir stehen an einer Schwelle:
Mitten im Übergang in das Wassermannzeitalter
zeigen sich die Dinge klarer als je zuvor.
Was geheilt werden möchte, meldet sich.
Und was nicht mehr zu uns gehört, fällt uns förmlich aus der Hand.

Ich bin nicht religiös aufgewachsen, sondern pseudokatholisch erzogen worden –
mit den üblichen Ritualen wie Taufe, Erstkommunion und Firmung,
aber ohne echten Glauben.
Dafür mit Sätzen wie
„Der liebe Gott sieht alles“
und den bekannten Trio-Infernale: Sünde, Scham, Schuld.
Nicht aus Spiritualität heraus, sondern als Werkzeug,
das eher Druck als Bewusstsein erzeugt.

Es hat lange gedauert, bis ich mir eingestanden habe,
dass es keinen wertenden, richtenden Gott gibt.
Gott ist Liebe.
Bewertet wird vom Menschen –
und gefürchtet wird die Instanz, die wir uns selbst gebaut haben.
Heute weiß ich: Das war Bullshit
und es war wichtig, genau das zu erkennen.

In meinen Zwanzigern war ich Pragmatiker,
in meinen Dreißigern Atheist – ganz wie mein Vater und Großvater.
Mit vierzig wurde ich Agnostiker.
Und mit fünfzig begann ich zu spüren:
Es gibt etwas Größeres.
Etwas, das nicht beweisbar ist, aber unübersehbar.

Heute weiß ich:
Alles ist göttlich.
Alles ist verbunden.
Und jeder Mensch trägt ein Stück dieses Ganzen in sich –
egal, welchen Namen er dafür wählt.

Mein Weg war nie gerade.
Aber er war echt.

Vom Kopfmenschen zum Suchenden,
vom Suchenden zum Fühlenden,
vom Fühlenden zum Wissenden.

Nicht wissend über andere,
sondern wissend über mich selbst,
über meine Seele, über meinen Weg.

Das hier – „Mei Lem & meine Gschichtln“ – wird der Raum dafür.
Für die Momente, in denen das Leben spricht.
Für kleine Erkenntnisse und große Wendepunkte.
Für Humor, Tiefe und die ganz normalen Alltagsszenen,
in denen plötzlich ein Stück Wahrheit aufblitzt.

Das ist mein Start.
Die nächsten Gschichtln kommen –
eine nach der anderen.

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