Die duale Seele & Herzspiegel No. 13

Co-Abhängigkeit tarnt sich als Liebe
Ich habe lange geglaubt, ich weiß, was Liebe ist.
Ich dachte, Liebe bedeutet:
bleiben.
verstehen.
tragen.
aushalten.
Ich dachte, wenn es weh tut, ist es echt.
Wenn ich mich zurücknehme, ist es groß.
Wenn ich mehr gebe als ich habe, ist es tief.
Heute weiß ich:
Das war keine Liebe.
Das war Co-Abhängigkeit.
Ich habe mich angepasst.
Bis zur Selbstaufgabe.
In einer meiner ersten Beziehungen habe ich meinen Freundeskreis aufgegeben.
Ich habe gearbeitet wie ein Wahnsinniger.
100 Überstunden im Monat waren keine Ausnahme, sondern Alltag.
Warum?
Damit es allen gut geht.
Mir?
Mir ging es nicht gut.
Ich saß im Keller und habe geheult.
Und trotzdem bin ich geblieben.
Weil ich dachte:
Das ist Liebe.
Später, in einer nächsten Beziehung, wurde es noch klarer.
Ich habe getragen.
Finanziell.
Emotional.
Für sie. Für die Kinder. Für alles.
Meine eigenen Dinge?
Habe ich vernachlässigt.
Ich fahre gerne Rad.
Aber sie hatte Angst.
Also bin ich nicht mehr gefahren.
Nicht, weil ich es bewusst entschieden habe.
Sondern weil ich gespürt habe:
Ich muss ja.
Und irgendwann war ich leer.
Komplett leer.
Beziehungs-Burnout.
Ich habe so viel gegeben…
für etwas, für das ich innerlich gar nicht gebrannt habe.
Und trotzdem habe ich es Liebe genannt.
Und dann kam die tiefste Begegnung.
Die, die alles aufdeckt.
Da war echte Liebe da.
Keine Frage.
Aber genau dort wurde sichtbar,
was noch in mir verborgen war.
Nicht laut.
Nicht offensichtlich.
Sondern subtil.
Fast unsichtbar.
Ein inneres Muster:
Wenn ich gebe…
wenn ich halte…
wenn ich durchhalte…
dann werde ich…
Ja, was eigentlich?
Gesehen?
Gewählt?
Geliebt?
Ich habe Situationen ausgehalten,
in denen Klarheit gesünder gewesen wäre.
Ich habe gegeben,
wo Abgrenzung notwendig gewesen wäre.
Nicht, weil ich es nicht wusste.
Sondern weil etwas in mir noch geglaubt hat:
Wenn ich jetzt gehe, lasse ich sie im Stich.
Das darf man nicht.
Wer ist eigentlich dieser „man“,
der da nicht gehen darf?
Wer hat beschlossen,
dass Liebe bedeutet, sich selbst zu verlieren?
Heute sehe ich es anders.
Die erste Beziehung war Vorbereitung.
Die nächste war Vertiefung.
Und die Dualseele hat die untersten Schichten berührt.
Nicht, um mich zu zerstören.
Sondern um mich zu mir selbst zu führen.
Und ja.
Die schönsten Dinge habe ich aus Liebe getan.
Die dümmsten aber auch.
Co-Abhängigkeit fühlt sich an wie Liebe.
Weil sie sich über Nähe definiert.
Über Geben.
Über Dasein.
Aber sie hat einen Preis:
Dich selbst.
Liebe braucht dich nicht kleiner machen.
Liebe braucht dich nicht erschöpfen.
Liebe braucht dich nicht verbrennen.
Liebe ist nicht:
„Ich muss ja.“
Liebe ist:
„Ich will und es macht mir Freude – oder ich gehe.“
Und genau da beginnt Freiheit.
Im nächsten Teil liest du:
Co-Abhängigkeit zeigt sich im Warten – und im Hoffen