Wege der Wandlung & gelebtes Handwerk No. 3

Pärchen auf der Rialtobrücke welches sich über Spritualität unterhält.

Ein Dämon ist auch spirituell – also sei bitte präziser

Ein Bild. Zwei Sprechblasen.
„Ich bin spirituell.“
„Ein Dämon auch. Geht’s präziser?“

Ich habe laut gelacht. Nicht aus Spott – aus Erleichterung.
Weil dieser eine Satz mehr Wahrheit enthält als tausend Yogastunden, Lichtkreise und Instagram-Zitate zusammen.

Mehr braucht es eigentlich nicht.
Der Rest ist Aufräumarbeit.

🧘‍♀️ „Ich bin spirituell“ – und dann?

Vor einiger Zeit schrieb mir eine Frau auf Facebook:

„Ich bin sehr spirituell und möchte mich nur mit spirituellen Menschen umgeben. Deshalb würde ich dich gern kennenlernen.“

Übersetzt – ganz ohne Chakrenlexikon:

Ich will mich gut fühlen.
Ich will nichts aushalten müssen.
Und bitte komm mir nicht mit Verantwortung.

Das Treffen kam nie zustande.
Nicht, weil ich nicht spirituell genug war.
Sondern weil ich Fragen gestellt hätte.

🕯️ Und dann war da meine Ex

Viel Licht.
Viel Moral.
Viel Deutung.

Und erstaunlich wenig:

  • Selbstreflexion
  • Konfliktfähigkeit
  • echte Begegnung

Dafür:

  • spirituelle Überlegenheit
  • feinstoffliche Ausreden
  • und eine beeindruckende Fähigkeit, Verantwortung elegant am Räucherstäbchen vorbeizuschieben

Das war kein Einzelfall.
Das war ein Muster.

🧨 Was viele verwechseln

Viele Menschen meinen mit „spirituell“:

  • sensibel
  • feinfühlig
  • energetisch
  • wissend
  • „weiter als die anderen“

Aber das sagt nichts darüber aus,

  • wie du mit Konflikten umgehst
  • wie ehrlich du in Nähe bist
  • ob du Verantwortung trägst
  • ob du bereit bist, dich selbst anzusehen

Ein Mensch kann:

  • Chakren erklären
  • Engel zitieren
  • Energien fühlen
  • in weißen Klamotten sehr erleuchtet wirken

… und trotzdem:

  • manipulativ sein
  • ausweichen
  • Grenzen verletzen
  • Drama produzieren

Das ist keine Ausnahme.
Das ist Spiritual Bypassing mit Duftkerze.

🧱 Die unbequeme Wahrheit

Spiritualität ohne Erdung ist keine Entwicklung.
Sie ist Flucht.

Und ja – ein Dämon ist auch spirituell.
Sehr sogar.

Der Unterschied liegt nicht im Bewusstsein.
Sondern im Umgang damit.

🔨 Der Cartoon als Zukunftskompass

Seit ich diesen Cartoon kenne, weiß ich:
Wenn eine Frau zu mir sagt,

„Ich bin so spirituell“

dann gibt es nur eine ehrliche Antwort:

„Ein Dämon ist auch spirituell. Geht’s präziser?“

Nicht aggressiv.
Nicht belehrend.
Nur klar.

Wer dann lacht, ist dialogfähig.
Wer beleidigt ist, hat sich gerade selbst entlarvt.
Wer präzisiert, wird interessant.

🔥 Mein eigener Shift

Ich sage heute nicht mehr:

„Ich bin spirituell.“

Ich lebe:

  • Präsenz statt Pose
  • Humor statt Erhabenheit
  • Klarheit statt Lichtsprech
  • Wut ohne Gewalt
  • Nähe ohne Anspruch

Das ist nicht hübsch.
Aber echt.

Das ist inkarnierte Spiritualität.
Oder einfacher gesagt:

Geerdete Menschlichkeit mit Bewusstsein.

Und genau die ist für viele „Hochspirituelle“ extrem unangenehm.
Weil sie:

  • nichts beschönigt
  • nichts erhebt
  • nichts ausweicht

🪞 Schlusswort

Ich muss heute niemanden mehr entlarven.
Ich erkenne Muster – und gehe weiter.

Und manchmal erlaube ich mir diesen Satz:

Ich bin kein spiritueller Mann.
Ich bin ein anwesender.

Das reicht völlig.

P.S.:
Und ja – ich glaube an mehr, als man messen kann.
Auch an Dunkles. Auch an Dämonisches – im psychischen wie im archetypischen Sinn.
Mein Blick darauf ist nur ein anderer. Weniger romantisch. Mehr eigen-verantwortlich.
Nicht: Wer ist schuld?
Sondern: Was hat das mit mir zu tun?

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