nackig no. 6

nackig no. 6 – Ich bin abstinent.
Ja.
Ich sag das inzwischen genau so.
Nicht dramatisch.
Nicht entschuldigend.
Einfach klar.
Ich trinke keinen Alkohol.
Nicht, weil ich musste.
Nicht, weil ich abgestürzt bin.
Nicht, weil ich süchtig war.
Sondern, weil ich mich für mich entschieden habe.
Für mein Wohlergehen.
Für meine Klarheit.
Für mein Leben.
Alkohol war mein ganzes Leben da.
Schon viel früher, als ich selbst trinken konnte.
Nach meiner Wahrnehmung
hat das Thema Alkohol bei mir
nicht erst mit dem ersten Bier begonnen,
sondern schon bei meiner Zeugung
und in der Schwangerschaft.
Damals waren Alkohol und Nikotin
kein Thema.
Oder genauer:
kein Problem.
Dass ich als Fötus
Alkohol und Nikotin „mitbekommen“ habe,
ist keine Meinung.
Das ist eine Tatsache.
In meiner Kindheit war Alkohol Alltag.
Nicht exzessiv.
Aber präsent.
Mein Vater hat ihn mir vorgelebt.
Meine Mutter auch.
Ich habe früh gelernt:
Alkohol gehört dazu.
Und vielleicht habe ich dort auch gelernt,
dass er ein Fluchtmittel sein kann.
Dass Alkohol ein Genussmittel sein kann,
habe ich erst viel später gelernt.
Zwischen 25 und 30.
Davor wurde halt getrunken.
Zwischen 2000 und 2005
gab es diese Phase mit Kollegen.
Mittagspause.
Bier.
Mehr Bier.
Ich bin ausgestiegen,
weil mir aufgefallen ist:
Nach so einer Mittagspause
war der Tag für mich gelaufen.
Erst am späten Nachmittag
war ich wieder halb da.
Und da war Feierabend.
So ab 2010
habe ich das Thema Alkohol
immer wieder hinterfragt.
Aber nichts geändert.
Durch die Hypnoseausbildung
ist mir etwas Entscheidendes klar geworden:
Ich war nicht abhängig vom Alkohol.
Ich war abhängig vom Ritual.
Wenn ich ein Bier aufmache,
ist Feierabend.
Wenn ich endlich ein Bier aufmache,
ist endlich Ruhe.
Ein, zwei Bier am Tag.
Was ist das?
Wo fängt es an?
Wo hört es auf?
Rausch?
Beschwipstheit?
Vielleicht alle drei Jahre einmal.
Die Nächte, in denen sich das Bett gedreht hat,
kann ich an zwei Händen abzählen.
Und trotzdem:
Alkohol war da.
Immer.
2007 brauchte mein Vater
eine Lebertransplantation.
Dass er daran gestorben ist
und dass Alkohol dabei eine Rolle gespielt hat,
habe ich erst viel später wirklich verstanden.
In den letzten Jahren
wurde Alkohol dann auch Tröster.
Flucht.
Vernebelung.
In depressiven Phasen.
In der Einsamkeit
rund um meine Dualseelenerfahrung.
Als Helfer.
Als Pauseknopf.
Ich habe Alkohol gefastet.
Vier Wochen.
Sechs Wochen.
Und dann?
Zurück ins Muster.
Und dann war letztes Jahr im Mai
einfach klar:
Schluss.
Keine große Show.
Kein Drama.
Ich habe aufgehört.
Problemlos.
Körperlich.
Mental.
Energetisch.
Und heute sage ich:
Es war eine der besten Entscheidungen
meines Lebens.
Alles ist klarer.
Direkter.
Echter.
Manchmal frage ich mich:
Wie konnte ich nur?
Und gleichzeitig weiß ich:
So war es halt.
Wie verträgt sich Alkohol mit Spiritualität?
Mit Energiearbeit?
Mit echter Präsenz?
Mit Beziehungen?
Was ist die Basis von Beziehungen,
in denen Alkohol eine Rolle spielt?
Und ja:
Es soll jeder saufen, was er will.
Ich mache das auch –
also: entscheiden, was ich mir zuführe.
Bei Alkohol gibt es nur eine Sache,
die man nicht wegdiskutieren kann:
Er wirkt nicht nur auf mich.
Autofahren mit Alkohol?
Geht gar nicht. Punkt.
Aber abgesehen davon:
Jeder soll für sich entscheiden.
Ich habe es getan.
Aus Eigenverantwortung.
Weil es mir richtig gut tut.
Und ich spüre:
Das ist nicht das Ende einer Veränderung.
Das ist ihr Anfang.
Das hier ist nackig.
Und manchmal beginnt Freiheit
mit einem einfachen Satz:
Ich trinke keinen Alkohol.